Mittwoch, 16. November 2022

Demus/Inagaki, YLT, Rundgang22 und Do it! (10)

 Da es gerade mehrere größere Projekte gibt die etwas mehr Zeit und Aufmerksamkeit verdienen und wir mitten in den Vorbereitungen zu einer Ausstellung sind - nebenbei läuft natürlich auch das Semester bleibt leider nicht so viel Zeit für die Schreibarbeit. In letzter Zeit - eventuell merken es manche eh schon länger - bereitet mir eine stetig größer werdende frage nach dem aktuellen Zustand von Skulptur und Bildhauerei starke Kopfschmerzen - Ich versuche demnächst mal etwas mehr dazu zu schreiben. Die immer größer werdene Frage nach dem Nutzen und der Effektivität ist wahrscheinlich auch der Grund warum meine Arbeiten in den letzten Monaten immer konzeptioneller werden. 

(Falls das das richtige Wort ist) - y

Marion Bauer habe ich immer noch nicht gefunden, dafür habe ich jetzt zusätzlich noch ein neues Ziel - Iwamoto Mari (巖本 真理) - woher die Aufnahme von Shostakovich's Streichquartett Nr. 15 stammt konnte ich leider noch nicht herausfinden - Eventuell weiß man im Disk Union Classical Store mehr - oder vielleicht an der Tōkyō Geijutsu Daigaku? Immerhin war sie wohl mal Professorin dort... ansonsten... Schlagzeilenentzug - zumindest hier in Kodaira wo die Japan Times fast seltener ist als das Matcha Eis mit Schokoladenhülle. Um ehrlich zu sein finde ich das garnicht wirklich schlecht. Mein Le Monde diplomatique Abonnement ersetze ich durch die wöchentlich erscheinende Asahi Weekly. Ich denke ich werde mal mit einem Professor über die Tageszeitungen hier reden. Prof. Azby Brown, mit dem ich neulich für ein 2-stündiges Interview zusammen saß kann mir bestimmt mehr dazu sagen...

Auf YouTube habe ich ein wenig zum neuen Upload geschrieben, erstaunlich wenig lässt sich aber zu YI finden - zu JD schon etwas mehr. Die Senzoku Gakuen Maeda Hall (洗足学園 前田ホール) wo das Konzert aufgenommen wurde liegt in der Nähe meines ersten Hostels - eventuell fahre ich bei Gelegenheit vorbei - in Kawasaki gibt es auch noch ein Panasonic-Gebäude welches ich besuchen wollte.

 

Die letzten Wochenenden war ich noch in verschieden Disk Union Filialen  - zum ersten mal überhaupt habe ich eine Original-Version von "The Mask of the Imperial Family" gesehen - wenn ich mich richtig erinnere waren es ungefähr 30.000 Yen - eigentlich ein guter Preis für so eine seltene Platte... 


 
 

... da knallen ¥340,000 für eine Originalpressung von 三保敬とジャズ・イレブン* – こけざる組曲 schon etwas mehr rein - aber die gibt es ja zum Glück schon auf YouTube - also konnte ich da grade noch die Finger von lassen. Ansonsten landeten in den letzten Wochen Dieter Zechlin, Charles Mingus, Prurient, Steve Lacy(sax), Yo La Tengo (...) im Einkaufskorb. Dass ich auf Amazon.jp einen "Ghost in the Shell" Soundtrack für 2000¥ gefunden habe fühlt sich immer noch etwas unglaubwürdig an. Entweder hatte ich unglaubliches Glück oder es ist das beste Bootleg was die Welt jemals gesehen hat.

An meiner Arbeit Bitte "Nicht" rauchen // Bad Habits arbeite ich im Moment noch - Teile davon wurden auf dem Rundgang gezeigt, ein weiterer Teil wird diese Woche aufgehangen und ein anderer wiederum wird ein Text an dem ich im Moment noch schreibe. Dabei geht es vor allem um Plakate als Erinnerungen an soziale Normen und Platzierungshierarchien in Bahnhofshallen.

© Karl Alexander Seidel
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Während des Rundgangs bin ich dann eigentliche die meiste Zeit alleine herumgelaufen, habe Nana und Tamaki besucht - die große Performance am letzten Tag war beeindruckend anzusehen - ich habe aber leider etwas zu wenig Information um darüber schreiben zu können. Ich weiß jedenfalls, dass sie mehreren Jahren statfindet und jedes Jahr aufgeführt wird - einige Professoren die selbst einmal daran teilgenommen haben richten diese mittlerweile mit aus. Den Ursprung hat diese Performance wohl in einem traditionellen japanischen Tanz. Geht es da eventuell um eine Art Schöpfungsmythos - ? -  Das Zusammenspiel von Drache und / in Tor dürfte dabei relativ einleuchtend sein. Leider habe ich Nana am zweiten Tag nicht mehr gesehen sodass ein Gespräch leider nicht mehr zustande kam. Mit Tamaki habe ich jedoch eine längere Zeit über ihre Arbeit カーテンのさかさま geredet - bei einer deutschen Übersetzung bin ich mir sehr unschlüssig, es läuft aber auf eine Art umgedrehten Vorhang heraus.

 

Tamaki Otsuka (大塚珠生) - カーテンのさかさま, 2023 © Karl Alexander Seidel  

Ohne vorher mit ihr geredet zu haben dachte ich im ersten Moment erstmal an Donald Judd oder Eberhard Bosslet und die damit verbundenen Thematiken. Laderampe / Industrie / Intervention / nach unserer Unterhaltung wurde dann klar dass es sich hier eher um ein verschobenes Alltagsobjekt (object-to-pass-by) handelt. Die Arbeit startet bei einer Neugier auf die Unvorhersehbarkeit von Zusammensetzungen. Das dahinter gucken (in dem Fall hinter den Vorhang) wird also zur Materialstudie - die Verschiebung von hinter Wand / nach Boden, Materialität und Beschaffenheit der Metalltüren hebeln aber jene sonst gegebene Formfreiheit sofort aus, eine gewisse Führungshilfe gibt das Material aber trotzdem vor. Statt passing by also Dekonstruktion und anschließende Wiederaufarbeitung. Einem weiteren Moment des Dahinterschauens, ich nenne ihn hier Die doppelte Rückseite begegnet man außerdem immer dann wenn  (vornehmlich Bildhauer) vor カーテンのさかさま in die Knie gehen um unter die Metallplatten zu gucken und so hoffen sich ein Bild vom Arbeitsprozess machen zu können. So falsch lag ich ja am Anfang also doch nicht, schon alleine aufgrund der sehr genormten Materialien. Ich merke aber auch gerade dass ich tatsächlich mal anfangen muss mich etwas mit Donald Judd zu beschäftigen - ich kenne tatsächlich erschreckend wenig von ihm. "Specified Objects" scheint ja erstmal ein guter und wichtiger Startpunkt zu sein. 


Am 6.11 habe ich mir noch die Ausstellung "Do it! Everyday Life Becomes Art: Art of the 1970s as seen on Documents from the National Art Center, Tokyo Archives" angesehen. Der Ausstellungstext beschreibt Japan Post-Olympia als eine Zeit von zerbröckelnde Konventionen und kollektiven Illusionen... gleichzeitig wünscht sich der modernen junge Mensch wohl ein neues Bewusstsein für Stadt / Land / Alltag und eine Neuregelung einiger existierenden und eingestanzten Verhältnisse. 

Am interessantesten für mich persönlich ist die Verlagerung des Ausstellungsortes als Konsequenz der aufkommenden Medien und ihrer Benutzung im Kunstkontext. Einer der "Protagonisten" dieser Ausstellung  - das Forschungsinstitut für Psychophysiologie (精神生理学研究所) wirft die Frage auf wie man sich durch "Circulated Media" gegen ein Massenmedium behaupten kann - dabei kommt der Begriff des imaginären Museums vor - allerdings anders als bei Malraux - hier eher als Handlungsfolge der zu zirkulierenden Objekte und Dokumente. Es scheint mir allerdings offensichtlich dass man sich hier auf Malraux bezieht oder es zumindest ein Verweis ist - Musée imaginaire - Gezeigt werden außerdem Dokumente der "Ten-Ten" Ausstellungen von Enokura Koji und Takayama Noburo, verschiedenste Plakate, Postkarten, Briefe sämtlicher (Avantgarde-)Künstler(-kollektive)  die aktiv in den 70er Jahren waren -  "Catastrophe Art" von Yutaka Matsuzawa (松澤宥) - einer Ausstellung die 1974 in Kollaboration mit dem Centro de arte y comunicación (CAyC) aus Buenos Aires stattfand wird ebenfalls in Teilen präsentiert. 

Zum Künstlerkollektiv The Play, die in der Ausstellung stark mit der von ihnen produzierten secondary circulation von Kunstwerken identifiziert werden, findet man auf f-u-t-u-r-e.org einen außerordentlich guten und detaillierten Beitrag von E.Royer und Y. Gourmel  PLAY – Big Book - ein Katalog mit zuvor unveröffentlichem Material sowie Nachdrucken vorheriger Play/Selbst/veröffentlichungen ist außerdem bei les presses du réel zu erwerben, die wie es scheint als unabhängiger Kunstvertrieb/Verlag auch future mit in der Startelf haben.

http://f-u-t-u-r-e.org/r/06_Elodie_Royer_Yoann_Gourmel_The_Play_EN.md 

 

© Karl Alexander Seidel
© Karl Alexander Seidel
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